Fakten über das Faltblatt „Muslimische Kinder und Jugendliche in der Schule“

Veröffentlicht am 21.01.2011 in Allgemein

Polemik und kein Ende:
Das Faltblatt des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums steht in der Diskussion, die CDU-Landesvorsitzende diffamiert den Inhalt.
Worum geht es? Lehrer haben in der Vergangenheit immer wieder gefordert, das Ministerium möge Empfehlungen und Hinweise auf die geltende Rechtslage geben zum Umgang mit muslimischen Traditionen im Schulalltag.

Jetzt sind sie da und die rheinland-pfälzische CDU diffamiert das Blatt, ohne zur Kenntnis zu nehmen, dass die Inhalte des umstrittenen Faltblatts nahezu identisch sind mit einer Handreichung für Schulen und Eltern, die 2009 das CDU-geführte Bundesinnenministerium herausgab. Die Handreichung ihrer eigenen Regierung ist seitdem im Internet abrufbar (siehe Link unten), ohne dass sich die parlamentarische Staatssekretärin Klöckner je daran gestört hätte. Die CDU-Landesvorsitzende hat jetzt zwei Möglichkeiten: Sie nimmt ihre falschen Äußerungen zurück oder sie distanziert sich öffentlich von der Integrationspolitik der Bundesregierung, der sie angehört.

Die CDU-Landtagsfraktion hat in einer Sitzung des Ausschusses für Bildung und Jugend am 2. November 2011 nach einer Broschüre gefragt, das Bildungsministerium lieferte das Faltblatt wenig später. Erarbeitet hatte es eine Arbeitsgruppe „Religion“, die sich im Rahmen der Umsetzung des Integrationskonzepts der Landesregierung um die Versachlichung der Islam-Debatte kümmerte. Ihr gehörten Vertreterinnen und Vertretern der Landesregierung, der evangelischen und der katholischen Kirche, der jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz, der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeirate und des Inititativausschuss für Migrationspolitik sowie muslimischer Organisationen an.

Das Faltblatt enthält eine Zusammenstellung Handlungsempfehlungen und Anregungen, keine neuen verbindliche n Vorschriften. Beschrieben sind vielmehr alltägliche Unterrichtssituationen, die zu schulischen Konflikten führen können, so z.B. wenn muslimische Eltern ihr Kind nicht am Schwimm- oder Sportunterricht teilnehmen lassen möchten. So wird unter anderem auf die Rechtslage verwiesen, der zu Folge schon 1993 das Bundesverwaltungsgericht geurteilt hatte, dass im Falle eines "ernsthaften, konkreten, substantiierten und objektiv nachvollziehbaren Glaubenskonflikts“ die Schule verpflichtet ist, ab der Pubertät einen nach Geschlechtern getrennten Sport- und Schwimmunterricht anzubieten. Ziel der Empfehlungen ist, dass den Schulen mögliche Optionen aufgezeigt werden, um die Kinder dennoch am Angebot der Schule teilnehmen lassen zu können.

Die CDU-Landesvorsitzende riskiert, mit dem Schüren von Ängsten die Gesellschaft zu spalten. Die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Bettina Dickes, hatte im Ausschuss am 2. November nach der Vorstellung der Inhalte die Publikation noch begrüßt. Auch als die Abgeordneten das Faltblatt am 29. November erhielten, hat sich niemand empört - auch nicht die Spitzenkandidatin.

Eine solche Form des Wahlkampfes geht auf Kosten einer religiösen Minderheit und das lehnen wir ab. Wir stimmen statt dessen der Aussage der bildungspolitischen Sprecherin der CDU Dickes zu, die in der Ausschusssitzung am 2. November letzten Jahres erklärte, „es gehöre zum herrschenden Staatsverständnis in Deutschland, dass jeder religiöse Glaube in den Schulen respektiert werde und – soweit es sich mit dem Schulalltag und dem Bildungsauftrag der Schulen vereinbaren lasse – Rücksicht gerade im Bereich der Essensgewohnheiten der Kinder genommen werde.“ (Protokoll der 39. Sitzung des Ausschusses für Bildung und Jugend am 02.11.2010, Seite 14)

 

Für Sie im Landtag: Markus Stein


 

Termine in Monzingen

Veranstaltungen 2020

Counter

Besucher:1125991
Heute:9
Online:4

WebsoziInfo-News

12.10.2026 17:43 Matthias Miersch zum Rücktritt von Bärbel Bas
Ich danke Bärbel Bas von Herzen für ihren Einsatz, ihre Haltung und ihr Engagement. Wir kämpfen weiter gemeinsam für die soziale Demokratie. „Bärbel Bas hat heute Morgen ihren Rücktritt von Partei- und Ministeramt erklärt. Ich habe großen Respekt vor ihrer Entscheidung. Sie trifft sie aus persönlichen Gründen, die ich zutiefst respektiere. Als Ministerin und Vorsitzende… Matthias Miersch zum Rücktritt von Bärbel Bas weiterlesen

09.10.2026 17:40 Wichtiges Signal für den Wohnungsbau
Die Fortführung und Aufstockung des EH55 Programms bis zum Jahresende ist ein wichtiges Signal für die Bauwirtschaft. Nun sollten die neuen Fördermöglichkeiten konsequent genutzt werden, um den dringend benötigten Neubau anzukurbeln. „Die Aufstockung der Förderung für den Neubau im Effizienzhausstandard 55 Plus und die Fortführung des Programms bis zum Jahresende sind ein wichtiges Signal für… Wichtiges Signal für den Wohnungsbau weiterlesen

26.09.2026 19:01 Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung
Jetzt braucht es einen gemeinsamen Aufbruch für Olympia. München setzt sich durch. Nachdem die Evaluierungskommission die Konzepte von München und KölnRheinRuhr nahezu gleichauf bewertet hatte, haben sich die Delegierten der außerordentlichen Mitgliederversammlung nun für München als deutsche Bewerberstadt entschieden. Wir gratulieren München und allen Beteiligten zu diesem überzeugenden Konzept. Sonja Eichwede, stellvertretende Vorsitzende: „Herzlichen Glückwunsch… Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung weiterlesen

25.09.2026 19:03 Wegge/Heselhaus zu EU-Regeln gegen Greenwashing
Umsetzung von EU-Regeln gegen Greenwashing: Koalition schafft pragmatische Lösung für Altwarenbestände Am 27. September 2026 treten neue Regeln in Kraft, nach denen Umweltaussagen in der Werbung oder auf Produktverpackungen jetzt klar und nachvollziehbar belegt werden müssen. Um einen pragmatischen und verhältnismäßigen Umgang mit Altbeständen sicherzustellen, justieren wir nach. Carmen Wegge, rechts- und verbraucherpolitische Sprecherin: „‘Einfach… Wegge/Heselhaus zu EU-Regeln gegen Greenwashing weiterlesen

14.09.2026 17:56 Zollkodex
Jeden Tag kommen Millionen Kleinsendungen aus Drittstaaten in die EU. Die enorme Menge erschwert wirksame Kontrollen erheblich. Allein im Jahr 2024 wurden 4,6 Milliarden Pakete mit einem Warenwert von weniger als 150 Euro in die EU eingeführt – 91 Prozent davon über chinesische E-Commerce-Plattformen. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch 2023, als… Zollkodex weiterlesen

Ein Service von websozis.info