SPD-Bundestagsfraktion vor Ort - über 200 Teilnehmer bei der Veranstaltung "Gesundheit auf dem Lande"

Veröffentlicht am 15.03.2010 in Allgemein

AZ Vom 15.03.2010, Von Wilhelm Meyer
Der Widerstand gegen die Einrichtung der ärztlichen Bereitschaftsdienstzentrale in Meisenheim überlagerte die Diskussionsveranstaltung der SPD-Bundestagsfraktion um die Zukunft der medizinischen Versorgung auf dem Lande. So konnte Klaus Stein vom SPD-Ortsverein Monzingen in der Monzinger Festhalle unerwartet viele Zuhörer begrüßen.

Mit dem Thema "Gesundheit auf dem Lande" war beabsichtigt, vor allem allgemein eine Diskussion um die Zukunft der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum zu führen.

"Was passiert, wenn nichts passiert", war die Grundfrage, die Moderator Fritz Rudolf Körper (MdB) der Diskussion zu Grunde gelegt wissen wollte. Davon konnte angesichts der derzeitigen Auseinandersetzung in der Verbandsgemeinde um die Zentralisierung des Bereitschaftsdienstes in Meisenheim natürlich keine Rede sein. Daran änderten die einleitenden allgemeinen Überlegungen von Podiumsmitglied Dr. Günter Gerhardt, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Mainz nichts.

Auch der Winterburger Sportmediziner Dr. Christian Schulze versuchte deutlich zu machen, dass die derzeitige Standortfrage bei den Problemen, die auf die Versorgung des Landes zukämen, eine vernachlässigbare Kleinigkeit sei. Die Schere aus wachsendem Bedarf durch älter werdende Menschen und fehlendem medizinischem Nachwuchs klaffe schon jetzt bedrohlich auseinander. Jeden Tag verliere Deutschland vier ausgebildete Ärzte. Während jährlich 1200 Ärzte aus dem Ausland nach Deutschland kämen, seien es zugleich 3600 ausgebildete Ärzte, die Deutschland verließen.

Vom Podium brachte der Monzinger Allgemeinmediziner Dr. Peter Esch die aktuellen Sorgen der Zuhörer auf den Punkt. Zu drängend und basisfremd sei das konkrete Vorgehen der KV gewesen. Hinzu komme, dass die Meisenheimer Lösung voller handwerklicher Mängel sei. Nicht zu Ende gedacht, sei sie Ärzten und Patienten "vor den Kopf geknallt" worden.

Wie Esch und die meisten seiner zahlreich anwesenden Kollegen sah es auch der Bad Sobernheimer Arzt Dr. Michael Nentwich: Ein funktionierender Notdienst sei durch eine schlechte Lösung ersetzt worden. Dabei, so betonte Esch, bestehe kein Grund zu dieser Eile. Bis Ende 2011 habe die Umsetzung der Strukturerneuerung Zeit. Zeit genug also, sie in Ruhe mit allen Beteiligten zu durchdenken.

Der derzeitige Zustand, so klagten einige Zuhörer, sei so nur noch verwirrend. Man wisse in der Not nicht mehr, wohin man sich vertrauensvoll wenden könne. Das konnte Lothar Iseke vom Rettungsdienst Bad Sobernheim nur bestätigen. Wenn die Leute beim Anruf in Meisenheim erfahren hätten, wie lange es dort dauern würde, bis sie "dran kämen", riefen sie lieber den Notarzt an. Schon jetzt hätten sich durch die zunehmende Inanspruchnahme des Rettungsdienstes die einzelnen Anfahrtszeiten erheblich verlängert. Die derzeitige Verwirrung sei erst einmal teuer. Wenn dann aber im wirklichen Notfall die Dienste überlastet seien, werde es auch gefährlich.

Fehler im Vorgehen der KV gab Gerhardt zu. Mit Kirn und Bad Kreuznach werde man demnächst Gespräche aufnehmen. Festlegen, wie es konkret weitergehen solle, wollte sich Gerhardt nicht. Statt dessen berichtete er von Beispielen aus anderen Landesteilen, wo solche zentrale Zusammenlegungen funktioniert hätten. Jedoch ließ er sich zu einer Bitte um Entschuldigung für das bisherige einfühlungslose Vorgehen hinreißen: "Mea Culpa". Nichts Böses hätte die KV im Sinn gehabt. Man habe jedoch den Fehler gemacht, den in der Verbandsgemeinde Bad Sobernheim Betroffenen die Regelung unvermittelt überzustülpen.

Was die derzeitige von der KV vorgelegte Lösung und selbst die von Dr.Gerhardt angedeuteten Möglichkeiten konkret für die Verbandsgemeinde bedeuten würden, brachte gegen Ende der Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes Bad Sobernheim, Thomas Neumann, auf den Punkt. Auch bei möglichen Zentralen in Kirn und Bad Kreuznach bleibe, so Neumann, Bad Sobernheim außen vor. Solange keine lokal befriedigende Lösung bestehe, sah Neumann keinen Grund, eine bewährte von allen getragene Versorgung zu zerschlagen.

 

Für Sie im Landtag: Markus Stein


 

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